"The fear of what is invisible..."

Der Lesungsbericht als Transkript

Kurzvorstellung Leon/Florian (durch Stephan Specht, Ergon Verlag Baden Baden/Nomos Gruppe)

„The fear of what is invisible.” Viele von uns haben eine unklare Meinung zu KI, oder, noch schlimmer, empfinden KI als vermeintlich irrelevant. Wir machen KI sichtbar und zeigen ihre Relevanz für jeden von uns auf. Leon Tsvasman deckt die Wurzeln auf und baut die Verständnisbrücke zur inhaltlichen, systemischen Relevanz. Währenddessen greift Florian Schild die zeitliche und örtliche Relevanz auf. Beide Autoren plädieren für eine Urgenz, sich KI anzunähern. Damit sichtbar wird, was nicht erst noch kommt, sondern was da ist.

Der Leser erfährt in diesem Sachbuch Grundlagen und Anwendungsebenen von KI. In 4 Runden, 8 Diskursen und 8 Exkursen, in denen KI in Beziehung gestellt wird zu Themen wie Arbeit, Mensch, Bildung.

1.Runde "Grundlagen-Fokus" mit zwei Diskursen zum Verständnis und den Werten von KI.

2.Runde "Grundlagen-Spektrum" mit 1 Diskurs "KI & die Welt" und 8 Exkursen, die KI in Beziehung zu etwas beleuchten, KI & Mensch, KI & Verantwortung, KI & Bildung etc.

3.Runde "Anwendungs-Fokus" mit weiteren fünf Diskursen, zur Praxis und dem Weiterdenken.

4.Runde "Anwendungs-Komplex" zum heutigen Leben & unserer Potenzialität der heutigen Seins.  

Sabrina (Moderation) Warum es des Dialogs mit einem Universaldenker bedarf, mag sich der ein oder andere fragen. Reicht es nicht, dass der Programmierer KI technisch versteht und weiterentwickelt?

Seite 19

"Wie der Diskurs letzter Jahre zeigt, denken nur wenige Technikpioniere fachübergreifend. Dass sie die Weichen für die Zukunft stellen, darf man ihnen also nicht überlassen. Denn je weniger die Wirkenden denken, desto weniger bewirken die Denkenden. Auch sind die Denkenden erst dann diskursfähig, wenn sie es schaffen, aus dem arbeitsteiligen Spezialistentum auszubrechen. Angekommen auf der Höhe der einsamen Spitze des Überblicks, mangelt es den Wagemutigen schon sehr schnell an Sauerstoff, um zu Ende zu denken."

Warum ist dieser Dialog nicht nur wichtig, sondern auch dringlich, Leon?

Leon Seite 18

„Bevor sich die global vernetzte KI-Infrastruktur weltweit verselbständigt, sollten wir die Weichen zum künftigen Gebrauch der ethisch und epistemisch fundierten KI-Regeln richtigstellen. Und allem Anschein nach haben wir die nötige Währung: Daten! Oft wird „Big Data“ im Zusammenhang mit Internet of Things (IoT) verortet und damit überwiegend technisch verstanden. Unsere Situation ähnelt der eines verliebten Adeligen: Zwar verfügt er über genug Mittel, um alle Dinge zu kaufen, selbst Dinge, die er nicht benötigt. Was er aber wirklich anstrebt, ist, wärmende Liebe zu erfahren. Doch ausgerechnet sie entzieht sich der Macht seines Geldes und seiner adeligen Erhabenheit. Ähnlich geht es auch uns: Zwar haben wir Daten im Überfluss, aber zur Aufhellung der Sinnzusammenhänge erweist sich die Technik als nutzlos.“

Sabrina. Wie dieser Dialog nun genau gemeint ist, möchten wir an einem Exkurs sichtbar machen, den wir hier kurz anreißen. Wir beobachteten die Beziehung KI & Medien.

Seite 71

„Klassische Leitmedien werden in ihrer Funktion des Gatekeepers abgelöst von privatwirtschaftlich organisierten News-Lieferanten, die sich am Gewinnstreben orientieren. Achtung, Achtung, die präzise, neutrale Berichterstattung hat ihr aufmerksamkeitsökonomisches Subjekt verloren und möchte es wiederfinden, um komplexe Sachverhalte ausgewogen zu erklären! Wo finden sich die beiden wohl? Auf Plattformen, deren Qualität sich in Schnelligkeit und Präzision der Information für das individuelle Bedürfnis des Konsumenten zeigt, mit der es am meisten verdient? Wohl kaum. Dann noch einen Schritt zurück: Was sind diese Plattformen eigentlich? Neben der Tatsache, dass sie nicht auf das Allgemeinwohl ausgerichtet sind, müssten sie doch zumindest rechtlich einordbar sein. Welche Rechte hat eine Plattform und welchen Pflichten unterliegt sie? Wie kann ein soziales Netzwerk bei Nichteinhaltung von Regeln von objektiver Seite zur Verantwortung gezogen werden? Und wie viele Medien für wie viele Teilöffentlichkeiten braucht es, um den Überblick zu verlieren? Bedarf es also besser einer zentralen Instanz? Dabei wollen wir doch nur dazulernen, einordnen können und uns wiederfinden in einer Meinung, die unsere vertritt. Ohne Abhängigkeit.“

Leon Seite 73/74

„Im Idealfall steht jedem menschlichen Subjekt das perfekte Medium zur Verfügung, das sein Erleben, seine Gedanken und Intentionen so präzise und wertvoll wie möglich auf der Ebene des gemeinsamen Handelns wirklichkeitsfähig machen will. Das perfekte Medium übersetzt auf verschiedene Arten: Damit ein Subjekt keine Energie in ein Vorhaben investiert, das in der Welt der Wirkung keine Erfolgsaussichten hat, filtert das Medium die Relevanz. Gleichzeitig perfektioniert das Medium den Ausdruck – natürlich nicht pauschal, sondern jedem Adressaten individuell gerecht werdend. Und zu guter Letzt regt das Medium dazu an, das optimale Feedback zu erhalten. Woran erinnert dich die Beschreibung dieses Mediums? Naja, ein Sprachassistent von heute wäre noch zu hoch gegriffen, aber tendenziell werden durch KI veredelte Medien in Zukunft dazu imstande sein. Doch meine ich etwas anderes: Die Beschreibung erinnert an ein ideelles Medium – die reine Gedankenübertragung. Eigentlich überwindet sie die Medialität sogar. Wer ist dazu in der Lage? - Nur eine KI-Infrastruktur, denn nur sie ermöglicht perfekte Medialität – in einer positivistischen Welt, die nicht wesentlich magisch zu sein scheint oder deren magische Potenzialität uns nicht zugänglich ist. Solange unsere Welt nicht die von „Harry Potter“ & Co ist, erschließt sich uns kein anderer Weg als der, die Sehnsucht nach Gedankenübertragung mit KI zu realisieren. So haben wir vielleicht keinen fliegenden Teppich, doch vielleicht ein Flugzeug – das Fliegen an sich aber funktioniert! Und wir sind einer Sehnsucht ein Stück näher.“ Seite 76

„Vielleicht kommen wir mit Visionen wie Gedankenübertragung zu früh und lenken die fleißige, realistisch und pragmatisch geprägte Industrie und Politik von aktuellen Problemen ab. Erst einmal muss in kleineren Schritten vorangegangen werden, etwa in Hinblick auf die Gewährleistung der Finanzierbarkeit von großen KI-Visionen. Zumindest setzt dies jedoch ein Verständnis von Mindsets wie AI-Thinking und Human Difference voraus, das heutige Entwickler, Entscheider und Gestalter haben sollten.“

Florian

Seite 76/77

„Die Berichterstattung deutscher Medien zum Thema KI ist im deutschen Raum tendenziell negativ behaftet. KI nehme Menschen die Arbeit weg, eine Superintelligenz lösche uns aus und im Ausland sei man weiter als in Deutschland. Besonders werden dabei die USA und China in den Vordergrund gestellt, die als Vorbild für die KI-Entwicklung angesehen werden. Zu beachten ist jedoch, dass die großen Unternehmen (GAFAM- und BATX-Unternehmen) eben auch dort ihren jeweiligen Sitz haben. Mit gezielten Kampagnen wie dem Go-Spiel oder Sprach-Robotern sorgen diese Unternehmen für positive Schlagzeilen in der ihnen wohl auch zugetanen Berichterstattung. Dadurch entsteht der Eindruck, dass diese Länder fortschrittlicher seien und positivere Anwendungsfelder von KI erkunden, als es bei uns in Deutschland der Fall ist. Im Journalismus werden KI-Systeme ganz pragmatisch eingesetzt. Werden beispielsweise Fußballberichte automatisch erstellt, so nennt man dies Robotherjournalismus. Die norwegische Nachrichtenagentur NTB setzt zum Beispiel einen Roboterjournalisten ein, um kurze Spielberichte zu kreieren. Dies ermöglicht der Redaktion, über kleinste Vereinsspiele Berichte ökonomisch vertretbar zu veröffentlichen. Bei anderen Nachrichtenagenturen, die nicht in solche Technik investiert haben, würde sich ein solcher Artikel nicht rechnen. Doch so richtig spannend wird KI für die Medien jedoch erst noch in der Zukunft. Denn dann wird es prinzipiell möglich sein, selbst Videomateriaim großen Stil zu produzieren, zu verwerten und zu manipulieren. Ist in einer Szene in einem Film beispielsweise Schnee zu sehen, kann diese Szene in ein sommerliches Setting transferiert werden. Und andersherum. Das erleichtert nicht nur Filmregisseuren die Arbeit, wenn sie weniger auf Wetterbedingungen achten müssen.“

Sabrina. Das klingt ja fast beruhigend. Wenn wir jedoch heute gefragt werden, was wir mit KI verbinden, dann kommt uns doch direkt eine Mischung aus Mensch und Technik in den Sinn, eine Art Terminator, Transformers – eine menschennahe Gestalt, die technisch geboostet ist. Ist das die menschliche Potenzialität, die Sie meinen, Leon Tsvasman?

Leon

Seite 22

„Indirekt schöpfen auch Mindsets und Denkrichtungen des Transhumanismus aus dieser Sci-Fi-Tradition: Jenseits der erkenntnistheoretischen Gewissheit möchten sie Menschen durch Technik upgraden (Cyborgs & Co). Eine Haltung, die im Silicon Valley durchaus populär, doch ethisch kaum haltbar ist, bringt sie doch eine unumkehrbare personenbezogene Veränderung der menschlichen Körperlichkeit und Kognition mit sich. Denken wir dies einmal zu Ende: Diese Haltung negiert doch weitgehend die Potenzialität des menschlichen Subjekts! Denn sie nimmt den Homo Economicus als „neutralen” Menschen an. Doch damit man zu diesem Ökonomischen Menschen wird, ist der herkömmliche Homo Sapiens von der Industrie in den letzten Jahrzehnten zwanghaft arbeitsteilig beschäftigt, damit stark beeinträchtigt und auch noch zum Objekt von Verkaufsförderung gemacht worden. Statistiker und Marketingprofis erfassen somit die besonders habgierigen Personen und profilieren sie zu ihren Vorbilder-Zielgruppen. Ein solch sensorisch, körperlich und mental abhängig gemachter Mensch wird alles dafür tun, sich individuelle Vorteile in Bezug auf Gesundheit, langes bis ewiges Leben, ungeahnte Kräfte usw. einzuverleiben, in Besitz zu nehmen und schließlich eine Zeitlang zu haben, indem er das Ganze unter Einsatz seiner Gesundheit „erwirbt“ – wie auch etwa der Autor von „Homo Deus“ annimmt. Oder er ist nach Erlebnissen der Ablenkungsindustrie wie etwa dem Kauferlebnis selbst süchtig. Der Motor der Weltwirtschaft dankt.“

Sabrina Wie der Fortschritt sich also in unsere Evolution einbettet, hast Du, Florian Schild, beschrieben.

Florian Seite 61

„Fortschritt sollte also auch Fortschritt für den Menschen bedeuten und nicht nur der Technologie willen vorangetrieben werden. Der Mensch wird zum kritischen Faktor, wenn es um KI-Technologie geht. Künstliche Intelligenz ist bereits mittelfristig gefährlicher als Atomare, Biologische oder Chemische Waffen (ABC-Waffen) und somit eine wahre Bedrohung für jegliches Leben auf diesem Planeten. Dazu hilft es vielleicht, sich vorzustellen, was Leben an dieser Stelle überhaupt bedeutet. Damit Leben entsteht, braucht es eine Zelle. Vor ca. 2900 Millionen Jahren muss es einem Bakterium gelungen sein, die beinahe unmögliche Aufgabe zu erfüllen, mithilfe von Sonnenenergie Wasser zu teilen. Seit diesem Zeitpunkt entstand die bis heute andauernde und sich selbst regulierende Welt des Lebens. Alles, was wir heute um uns herum an Leben sehen (Bäume, Pflanzen, Insekten,Tiere und Menschen) bedurfte eines Bakteriums mit dieser höchst unwahrscheinlichen Fähigkeit. Schaut man sich im Universum um, geht die Wahrscheinlichkeit, dass Leben so wie wir es auf unserem Planeten kennen, überhaupt entsteht, gegen Null. Doch wir Menschen können neues, alternatives Leben mit Technologie entstehen lassen, zum Beispiel anhand einer Turing-Maschine. Mit einer Turing-Maschine sind wir in der Lage, die Arbeitsweise eines Computers mathematisch zu modellieren. Die DNA einer solchen Turing-Maschine bestünde aus einem zellulären Automaten, der Energie aus der Umgebung aufnimmt, und ebenfalls einen Selbstreplikations-mechanismus besitzt. So hätten wir künstliches Leben erschaffen, auf das KI aufbauen kann.“

Sabrina: Florian Schild, was braucht es demnach? Neben der Technik spielen die politischen Rahmenbedingungen eine begrenzende bzw. ermöglichende Rolle. Hindert uns das Checks-and Balances System am Fortschritt oder schraubt Berlin eher noch an seiner Haltung zum Thema als dass es an der Umsetzung arbeitet?

Florian Seite 156

„Das Gegenteil fand ich dort. Die Abgeordneten stürzen sich auf die digitalen Themen. Schließlich sind es ja auch die Themen, die unsere Gesellschaft bewegen. 2018 haben sich beispielsweise 482 Mitarbeiter, 244 Teams, 76 Parteien und 14 Ministerien mit der Digitalisierung beschäftigt. Und obwohl sich so viele Menschen in der deutschen Politik für die Themen Technologie und Digitalisierung und Künstliche Intelligenz einsetzen und versuchen, diese Themen voranzutreiben, scheint es gerade bei diesen Themen nicht auszureichen, nationale Politik zu betreiben. Künstliche Intelligenz ist kein Thema, welches auf nationaler Ebene greift. Es ist ein globales Thema.“

Seite 155

„Wenn wir Menschen und die Politik keine Vision von einem gelingenden individuellen und gesellschaftlichen Leben haben, das durch eine positive Anwendung und Unterstützung durch Technologie geprägt ist, dann werden wir künftig nur hin und her geworfen von Systemen, die andere Ziele als das Wohl des Menschen verfolgen. Kleine Gruppen von Menschen bekommen Macht über jeden von uns. Sie werden unsere Aufmerksamkeit dorthin lenken, wo sie zum Erfüllen ihrer Ziele notwendig ist. Damit verlieren wir die Kontrolle über uns eigenes Leben. Es muss eine kritische Masse geben, die sich dafür stark macht, dass dies nicht passiert.“

Sabrina: Neben dieser kritischen Masse brauchen wir zudem auch eine Haltung KI gegenüber, die ganz pragmatisch ist und derer sich jeder bedienen kann, der fortschrittlich denket. Dafür entwickelte der Universaldenker Prinzipien. Eines davon ist Prinzip 2:

Leon Prinzip 2

Der Mensch soll im Vordergrund jeder technischen Entwicklung stehen (Human-Centered AI). Gemeint ist aber nicht der defizitäre Mensch mit KI im Kopf, sondern der emanzipierte, sich souverän in der Welt orientierende, weise, kreative und improvisierende Mensch (Human Difference). Weil die menschliche Potenzialität der höchste Wert ist, gilt: Dem menschlichen Potenzial Vorrang gewähren!






Wer sind wir?

Wir sind KI-Enthusiasten (ein praktizierender Denker, ein denkender Praktiker und eine empathische Muse des Gleichgewichts), die glauben, dass KI ein nützliches Werkzeug ist, um unsere Zivilisation in einer Weise zu verbessern, die es wert ist, vorauszudenken. KI-Denken ist eine Denkweise, die das humanistische Potenzial befähigt. AI-Thinking ist ein Grundlagenwerk, um diese Chance zu nutzen. Unsere Absicht ist es, zu inspirieren, Potenziale zu erschließen und die globalen irreparablen bis tödlichen Risiken aufzuzeigen.

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© 2019 by Leon Tsvasman & Florian Schild, Art Background by Rudolf Hürth, Graphical elements by Katharina Piriwe and Marina Skepner.